Mehr als nur ökologisch sinnvoll

Warum biologische Vielfalt gerade heute so wichtig ist !

 

Über biologische Vielfalt und alte Sorten

Sicher haben sie schon von dem Begriff der 'alten Sorte' gehört und auch schon gezielt nach diesen gesucht. Leider ist es aber gar nicht so einfach diese zu finden oder gegen die Samentütchen aus dem Baumarktregal abzugrenzen. In den Garten-Büchern wird daher als Unterscheidungsmerkmal gegen über den modernen Hochzuchtsorten hier vor allem das Alter der jeweiligen Sorte genannt. Aber das ist manchmal gar nicht so einfach heraus zu finden. Ist denn der Name auf der Tüte wirklich schon ein alter Name oder ist es ein Fantasiename der modernen Vermarkter? Bei Obstsorten ist es grundsätzlich schon mal einfacher, da es in den Hochzeiten der Obstzucht in Deutschland in den Jahren üblich war, diese damals neuen Sorten mit der dazugehörigen Sortenbeschreibung in den Pomologien/Obstkunde zu veröffentlichen. Jeder Züchter war damals stolz auf seine neuen Sorten und da die Kunde der Obstzucht auch im allgemein angesehenen Interesse stand, war es auch eine gesellschaftlich anerkannte Beschäftigung von großem Interesse. Wenn man sich also eine alte Obstsorte suchen möchte kann mit in den jeweiligen Pomologien der Zeit suchen.

Leider ist die Situation bei den Gemüsesorten und Kräutern aber eine ganz andere. Gemüse dienten schon immer der täglichen Ernährung, sie wurden also quasi nebenbei angebaut und nur wenn sie etwas Besonderes hatten, wie eine geschmackliche Besonderheit, eine regionale oder religiöse Bedeutung und eine optische Auffälligkeit, erhielten sie Namen. Zum einen waren es Namen aus den jeweiligen Anbauregionen wie z.B. das Ahrtaler Köksje, die Albleisa ( Linse von der schwäbischen Alb ) und die Kesselheimer Zuckererbse. Oder sie wurden nach den Verwandten oder den Nachbarn benannt, von denen man diese erhalten hatte ( z.B. Onkel Johannes, Tante Erna ). Zum Anderen gab es auch Sorten die sich optisch besonders unterschieden, wie z.B. der Lippischer Braunkohl, die Ochsenhörner ( Zuckererbse ) oder die Möscheeier ( gemustert wie Spatzeneier, Trockenbohne ). Als Besonderheit ist hier auch die Monstranzbohne zu nennen, die sich aufgrund der pigmentierten Nabelzeichnung in Form einer Monstranz und der damit verbundenen Verehrung in ausschließlich katholischen Haushalten hervorhebt. Sie wurde auch zur Abgrenzung gegen die evangelische Nachbarbevölkerung nur in der eigenen Religionszugehörigkeit weitergegeben und ist so die einzige bekannte konfessionell gebundene Bohne Deutschlands. Die Möglichkeit, alte Sortenkataloge zu nutzen funktioniert nur eingeschränkt, da es früher hunderte lokaler Züchter gab, deren Kataloge vielfach nur schlecht erhalten sind oder die nur die damals vorhandene Sorten weiter verbessert und als eigene Neuheit auf den Markt gebracht haben. Einzelne Namenssorten wie Saxa , Schlachtschwert oder St. Andreas ( alles Bohnen ) haben sich erhalten, sind aber eher die Ausnahme.

Der Begriff 'altes Gemüse' bedeutet oft einfach nur, das sich dieses Gemüse schon seit Jahrhunderten in menschlicher Kultur befindet, sagt aber leider nichts dazu aus, ob es tatsächlich eine alte, regionale Sorte ist.

Daher sind sie bei Ihrer Suche nach alten Sorten oft auf das Wissen der Großeltern oder älteren Gärtnerfreunde angewiesen. Nutzen sie diese generationenübergreifende Quelle für ihre Suche nach ihren authentischen regionalen Sorten und gewinnen sie gärtnerische Freunde die oft auch Tipps und Tricks für ihren Anbau haben.